Von fixiert zu fluid – wie mich die Bewegung des Wassers inspiriert

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An einem heissen Sommertag ist der Zugang zu kühlendem Wasser eine erfrischende Wohltat. Ich erlebe dies gerade beim naturnahen Eintauchen in die Aare in der Berner Felsenau. Ein Flusslauf, der sich in grossen Windungen durch die Landschaft bewegt, eingebettet in markante Felsformationen, gesäumt von Wald, Steinufer und Sandstrand. Jeden Tag variieren mit der Höhe des Wasserstandes die Farbe des Wassers und die Schnelligkeit des Fliessens. Vögel zwitschern, und eine friedliche Atmosphäre überträgt sich schnell auf mich.

Auch der weitgehend von Mauern gefasste Rhein in Basel zieht im Sommer viele Menschen an. Dort trägt die Strömung einen vom Tinguely Museum bis zur Dreirosenbrücke. Danach sitzen die Menschen am Ufer, geniessen die Wärme der Steine in einer Pause oder am Übergang vom Arbeitstag in den Abend.

Während ich mich von der Strömung tragen lasse, wird mir einmal mehr bewusst, dass auch der menschliche Körper zum grössten Teil aus Wasser besteht. Dabei frage ich mich, wie der Umgang mit unseren Flussläufen etwas darüber verrät, wie wir unseren Körpern begegnen. Auf der einen Seite sucht sich das Wasser seinen Weg, strömt, verdunstet, versickert, kehrt zurück. Es folgt dem Prinzip des Kreislaufs des Lebens. Auf der anderen Seite wird es begradigt und kanalisiert, gestaut und versiegelt. Auf versiegelten Flächen fliesst das Wasser nur noch oberflächlich ab, statt in tiefere Schichten einzudringen. Der Kreislauf wird unterbrochen, und das System verliert seine Fähigkeit, Feuchtigkeit zu speichern, Hitze auszugleichen und sich selbst zu regulieren.

Nicht umsonst wächst die Bedeutung von Renaturierungsprojekten, um natürlichen Prozessen wieder Raum zu geben. Schwammstadt, Rückgewinnung von Flächen, Rückverbindung von Altarmen mit ursprünglichen Flusssystemen – um nur einige Stichworte zu nennen. Wir erkennen, dass die lebendigen Systeme unserer Landschaften Bewegungsfreiheit brauchen, um gesund zu bleiben.

Wie der Lauf des Wassers ist der menschliche Organismus auf Bewegung angewiesen: auf Austausch, auf die Fähigkeit, auf Veränderungen zu reagieren und sich zu regulieren. Stattdessen ist unser Alltag davon geprägt, diese Bewegungen einzuschränken: Wir sitzen, wir halten durch, wir funktionieren, wir kontrollieren.

Wie oft versuche ich, meine Impulse zu kontrollieren, statt ihnen zuzuhören?

Wie oft unterdrücke ich ein Gefühl, weil es nicht in den Plan passt?

Wie oft folge ich einer alten Gewohnheit, obwohl sie mir schon längst nicht mehr dienlich ist?

Spannungen sammeln sich an. Innere Stauungen entstehen. Mein Erleben wird enger. Ich funktioniere, und irgendwann werde ich müde, fühle mich erschöpft und überansprucht. Langsam, aber sicher nimmt das Gefühl von Lebendigkeit ab.

Die Open Floor Bewegungspraxis hat mich wieder zurückgeholt als eine Form der „Renaturierung“. Nicht als Optimierung oder um mich zu reparieren. Vielmehr öffnet sich mir dort ein Raum, in dem sich die natürlichen Bewegungen des Körpers wieder zeigen dürfen. Das Körpergefühl vertieft sich mit jedem Atemzug. Eine Verspannung löst sich. Wiederkehrende Gefühle und Gedanken wandeln sich zu einem Grundgefühl von vital und inspiriert sein.

Im Open Floor machen wir uns das Kontinuum von fixiert zu fluid zunutze. Dabei geht es nicht darum, immer fliessend zu sein. Ein Fluss braucht sein Ufer, so wie wir Struktur und Halt brauchen. Doch wenn wir ausschliesslich fixiert und hart sind, verlieren wir unsere Anpassungsfähigkeit. Es braucht ein gesundes Mass zwischen beiden Polen und die Fähigkeit zwischen ihnen zu wechseln. Gehalten und fliessend. Stabil und beweglich. Form und Wandel.

Es geht nicht darum, einen Zustand zu erreichen, sondern sich diesem Prozess, diesem Spiel hinzugeben. Für mich ist die Open Floor Praxis eine Einladung, die inneren Wasserwege zu erkunden.

Wo fliesst Energie? Wo staut sie sich? Wo hat sich etwas verhärtet? Wo verliere ich den Halt?

Ich staune darüber, in die Intelligenz des Körpers einzutauchen, diese wahrzunehmen und mich von ihr informieren zu lassen.

Das Fliessen des Wassers erinnert mich daran: Es sucht nicht nach Perfektion und danach, zu funktionieren – es sucht sich seinen Weg. Und das Leben liebt Bewegung wie das Wasser.